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Der Fernsehmann Röbi Koller präsentiert im Auftrag der Deutschen Zentrale für Tourismus in mehreren Schweizer Städten die bedeutenden Lutherstätten. Als Botschafter des Reformationsjubiläums hat er auch neue Einsichten gewonnen.

Röbi Koller, Sie sind Promotor der Wirkungsstätten der lutherischen Reformation. Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe?

Durch eine Anfrage einer Beratungsagentur. Glaubensfragen interessieren mich. Ich bin ein Mensch, der sich immer wieder mit den Fragen auseinandersetzt, woher wir kommen und weshalb wir hier sind. Diese Fragen begleiten mich schon ein Leben lang.

Jede neue Aufgabe prägt ja auch. Sie haben sich mit Luther befasst und die Lutherorte besucht. Wie hat sich dadurch Ihre Perspektive verändert?

Ich bin katholisch aufgewachsen. Luther wurde in meiner religiösen Erziehung grossräumig umfahren. Von Luther hat man damals nicht viel wahrgenommen. Heute sehe ich Luther mit staunenden Augen als ein Phänomen. Er war in Europa eine der prägendsten Personen. Und an den Orten, wo er gewirkt hat, ist er heute noch unglaublich präsent. Im Gegensatz zu Zwingli in Zürich ist Luther im Alltag an seinen Wirkungsorten auch heute noch omnipräsent, vom Bier über die Apotheke und die Postkarte bis hin zu Socken.

Wie sehen Sie Luther persönlich?

Man kann ihn eindeutig als Vorbild nehmen. Seine Standhaftigkeit ist beispielhaft. Er ist bedingungslos zu dem gestanden, was er dachte und sagte.

Welche Lutherorte haben Sie beeindruckt?

Leipzig, das heute ja auch «Hypezig» genannt wird, weil momentan ein Leipzig-Hype herrscht. Sehr beeindruckt hat mich auch die Wartburg über der Stadt Eisenach aufgrund ihrer hervorragenden Renovation.

Haben Sie auch den Eindruck, dass die Schweizer Deutschland noch nicht voll als Reisedestination entdeckt haben?

Abgesehen von den grossen Städten Berlin, Hamburg und München, die schon bereist werden, trifft das zu. In meiner Schulzeit hatten wir im Geografieunterricht Deutschland nicht behandelt, was doch sonderbar ist. In den Sechzigerjahren war Deutschland irgendwie ein blinder Fleck. Ich bin erst jetzt daran, Deutschland zu entdecken, und staune sehr. Die historischen Lutherstätten haben zum Beispiel auch moderne Museen erhalten, die absolut sehenswert sind.

Im April führen Sie in fünf Schweizer Städten eine ReformationsRoadshow durch. Was ist Ihre Kernbotschaft?

Ich möchte auf das vielfältige Leben Luthers und auch auf die Vielfalt der Orte, wo er gewirkt hat, aufmerksam machen. Ich hatte vor Ort zahlreiche Erlebnisse, weil wir ja auch Interviews führten und deshalb viele Menschen trafen. Das war von einer unglaublichen Lebendigkeit, die ich auf meiner Roadshow vermitteln möchte.


Welche Beziehung haben Sie persönlich zur Reformation?

Ich sehe die Reformation heute als ersten Schritt der Aufklärung. Es war das Ende der Vorschrift, wie man zu denken und zu handeln und dafür erst noch für den Seelenfrieden zu bezahlen hatte. Aber dennoch fühle ich mich im Katholizismus verankert und finde es nicht schlecht, dass der Papst wie ein Popstar agiert.

Wie wichtig ist für Sie der Glaube?

Der Glaube als abstrakte Grösse ist mir wichtig, nämlich die Unterordnung unter etwas Grösseres. Ich möchte gerne glauben, dass es ein Jenseits gibt.

Sie singen seit Jahren als Bass im Zürcher Bach-Chor. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist nicht religiös motiviert. Singen ist für mich eine befreiende körperliche Erfahrung. Singen lässt die Alltagssorgen vergessen und ist eine schöne Teamarbeit. Viele Werke, die wir singen, haben einen sakralen Hintergrund, aber für mich persönlich steht die Musik im Vordergrund.

Glauben Sie, dass man über die Musik von Bach religiöse Erfahrungen machen kann, auch wenn man nicht gläubig ist?

Bei mir kommen bei Bach viele Erinnerungen an früher hoch, die mit religiösen Erfahrungen in der Familie und der Kirche verbunden sind.

Sie haben zwei erwachsene Töchter. Was haben Sie ihnen an Religion mit auf den Weg gegeben?

Zu wenig. Das war vielleicht ein Fehler. Sie wurden nicht getauft. Eine Tochter liess sich später konfirmieren. Ich war damals noch zu stark in einer Ablösung von der katholischen Kirche. Ich würde ihnen heute mehr mitgeben, was Glauben bedeuten könne, im Sinne von Möglichkeiten. In der Gemeinschaft und den Ritualen sehe ich heute Werte, die in Krisensituationen zum Tragen kommen.

Sie fahren in Ihrer Freizeit ab und zu Taxi. Ist es da auch schon zu seelsorgerischen Gesprächen gekommen?

Nein, meistens handelt es sich um ausländische Geschäftsreisende, die schnell zum Flughafen wollen. Aber in meiner Sendung «Happy Day» und früher in «Quer» habe ich viele Menschen getroffen, die sich mir anvertraut haben.

Mit Ihrer Sendung «Happy Day» erreichen Sie im Schnitt 700 000 Zuschauer und sind somit bei SRF am erfolgreichsten. Was bedeutet Ihnen das?

Es ist sehr befriedigend. Und dieser Erfolg gibt mir die Luft, dass ich weiterarbeiten kann. Ich werde 59 Jahre alt, da stellt sich die Frage, ob ich nach dieser Sendung wieder eine neue bekomme, was eher zweifelhaft ist. Deshalb bin ich froh, dass es noch etwas weitergeht.

Viele haben in diesem Alter als nächstes Ziel die Pensionierung. Sie auch?

Nicht unbedingt. Meine Frau möchte sich mit sechzig Jahren pensionieren lassen. Dann bin ich 66 Jahre alt und möchte auch mehr Zeit für meine Frau haben. Bis dahin wird sich das Berufsleben wohl langsam ausfädeln.

Interview: Anton Ladner

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