Margarete hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Was sie zu tun und zu lassen hat, lässt sie sich von niemandem vorschreiben – auch nicht als Frau des 16. Jahrhunderts. Das muss auch ihr Bruder Ambrosius schon früh erfahren: «Meine liebe Schwester, es befremdet mich, dass du mir zunächst geschrieben hast, dir stünde der Sinn nicht danach, in ein Kloster zu gehen.

Ich möchte gern wissen, was die Ursache ist. Denn als du mir geschrieben hast, hast du nur den einen Grund genannt, dass dir Gott nicht die Gnade verliehen habe, die er zuerst mir verliehen hat», schreibt er ihr aus dem Kloster Alpirsbach. Ein Klosterleben als Nonne – für Margarete Blarer undenkbar. Nein, ihr Gott ist kein Gott, der sich hinter Klostermauern feiern lässt; der Gott, der ihr Hoffnung und Trost gibt, ist mitten unter den Menschen zu finden.

Vom Gottesbild zum Bildungsideal

Als Tochter einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie aus Konstanz im Jahr 1493 geboren, geniesst Margarete Blarer eine hervorragende humanistische Ausbildung. Sie lernt Latein und vertieft sich in antike Literatur. Geprägt von Erasmus von Rotterdams humanistischen Grundsatz: «Wir werden nicht als Menschen geboren, wir werden dazu gemacht», lebt Margarete in der Überzeugung, dass sich Frauen in Sachen Bildung nicht hinter den Männern verstecken müssen. Doch Bildung ist für Margarete Blarer mehr als Wissen – Bildung ist immer auch Herzensbildung, die den ganzen Menschen betrifft. Als ihr zweiter Bruder Thomas begeisterte Briefe aus Wittenberg schreibt, erkennt Margarete schnell, dass sich mit den reformatorischen Überzeugungen nun endlich ihr Bildungsideal mit ihrem Gottesbild in Einklang bringen lässt. Nachdem auch ihr Bruder Ambrosius von der reformatorischen Lehre überzeugt ist und das Kloster verlässt, wird das Haus der Blarers an der Katzgasse 7 bald zum Treffpunkt der reformatorisch Gesinnten in Konstanz. Zusammen mit dem Theologen Johannes Zwick unterstützt sie ihre Brüder Ambrosius und Thomas bei der Durchführung der Reformation in Konstanz.

Hörprobe

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