Sie träumte nicht von einem unerreichbaren Schlaraffenland. Nein, sie hoffte auf das Reich Gottes im Hier und Jetzt! Sie hoffte auf einen Gott, der sich Bahn bricht inmitten dieser gottfernen Welt. Einen Gott, dem all das geschehene Unrecht in dieser Welt nicht egal ist – kein Schwamm-drüber-Gott, sondern ein parteiischer Gott. Ein Gott, der sich auf die Seite derer stellt, die mit ihm das Reich Gottes im Hier und Jetzt errichten. Und Hille Feickens Hoffnung war gross! So gross, dass sich die junge Frau mit ihrem Mann vom friesischen Städtchen Sneek aufmachte, um ins gut zweihundert Kilometer entfernte Münster zu ziehen. Hille und ihr Mann wollten nicht irgendwohin, sondern einzig und allein in diese Stadt, die zum «Neuen Jerusalem» erklärt worden war. Die Stadt war für sie der Ort, an dem das Reich Gottes für sie Wirklichkeit werden sollte.

Enttäuscht von dem bisherigen Verlauf der Reformation hatte sich Hille Feicken in ihrem Heimatort dem Täufertum zugewandt. Sie hatte sich als erwachsene Frau noch einmal für die Taufe entschieden, um ihr Leben bewusst in den Dienst Gottes zu stellen, um seine Mitarbeiterin beim Bau seines Reiches zu sein. Das Ehepaar war – wie alle Täufer – durch Briefe informiert worden, dass Münster das «Neue Jerusalem» sei. In einem Schreiben von Anfang März 1534 heisst es, dass in Münster alle «Brüder» und «Schwestern» sicher sein sollten vor dem kommenden Gottesgericht.

Ziel der Hoffnung

Hille liess ihre Familie zurück, gab ihr altes Leben auf und verschenkte allen Besitz an die Armen, so wie es in der brieflichen Anweisung geheissen hatte: «Darum nehmt nichts mit als Geld und Kleidung und Kost auf den Weg.» Sie wusste, dass sie sich als Täuferin auf eine gefährliche Reise machte. Sie kannte die Konsequenzen, die beispielsweise im Wiedertäufermandat des Speyerer Reichstags (1529) deutlich und scharf formuliert waren: Wer die Wiedertaufe vollzog oder sich ihr unterzogen hatte, war mit dem Tode zu bestrafen, ohne dass vorher noch ein geistliches Inquisitionsgericht tätig werden musste. All das hielt Hille nicht davon ab, nach Münster zu reisen. Nein, keine weltliche Macht konnte über ihren Glauben gebieten! Als sie in Münster ankam, erhielt sie als Erkennungszeichen ein Amulett, auf dem stand: «Das Wort ward Fleisch». Sie schien am Ziel ihrer Hoffnungen – Münster war der Ort, an dem der Traum von materieller Gleichheit unter den Menschen Gestalt angenommen zu haben schien: «Ihr sollt an keinem Ding Mangel haben, sei es Kost, Kleider, Haus oder Hof.

Hörprobe

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