Anfangs deutet nichts im Leben der jungen Adeligen darauf hin, dass sie einmal im Rampenlicht stehen wird. Als Tochter von Bernhardin von Stauff und Katharina Thering zu Seefeld, beide Mitglieder bayrischer Adelsfamilien, wird Argula von Stauff im Jahr 1492 in Beratzhausen bei Regensburg geboren. Ihren seltsamen Vornamen verdankt sie der Vorliebe ihrer Eltern für den «Parzival», jenem Epos, in dem es um fiesen Verrat und triumphierende Treue, um mutige Männer und starke Frauen geht. Frauen wie jene Herzogin Orgeluse, die sich die mutigsten aller Männer im «Parzival» gefügig macht – und die Namenspatin für Argula ist.

Argula wird politisch

Zusammen mit sechs Geschwistern wächst Argula auf der Burg Ehrenfels auf, von der heute nur noch eine Ruine zu sehen ist. Als junges Mädchen wird sie an den Hof des bayrischen Herzogs Albrecht IV. und seiner Frau Kunigunde geschickt. Im Gepäck: eine deutschsprachige vorreformatorische Bibelübersetzung, die sie als Zehnjährige von ihrem Vater geschenkt bekommen hat. Als beide Eltern im Jahr 1509 im Abstand von nur fünf Tagen an der Pest sterben, wird die Bibel für die knapp 17-Jährige noch wichtiger. Vielleicht ist es in ihrer selbstständigen Bibellektüre begründet, dass sie schon früh beginnt, die Schriften Martin Luthers und Philipp Melanchthons zu lesen. Sie gibt den beiden Wittenberger Reformatoren recht: Die Kirche ihrer Zeit hat sich von der Botschaft der Bibel entfernt. Zölibat, Heiligenverehrung, Papsttum und klerikale Prasserei – darüber steht nichts in der Heiligen Schrift.

Ganz im Sinne des befreienden Wortes Gottes gibt es im Leben der adeligen Fränkin einen klar datierbaren Anlass, sich mit der Politik des Evangeliums öffentlich einzumischen. Es ist der 7. September 1523. An diesem Spätsommertag greift sie entschlossen zu Papier und Tinte – und etwas Ungeheuerliches geschieht: Als Frau, die wahrscheinlich noch nie eine Universität betreten hat, fordert sie die hohen Professoren von Ingolstadt in einem geharnischten Brief zur öffentlichen Debatte mit ihr heraus.

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